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Meine zweite Geburt: Diesmal im Geburtshaus

Meine zweite Geburtsgeschichte im Frankfurter Geburtshaus.

Lias, geboren am 1. Marz 2018 im Geburtshaus Frankfurt

Eine Woche vor dem errechneten Termin wurden Aaron und ich krank. Schwere Grippe mit Fieber, uns ging es richtig schlecht. Ich lag da, hochschwanger, mit einem kranken Kleinkind an meiner Seite, und hoffte einfach nur, dass mein Korper noch etwas wartet. Ehrlich gesagt war ich korperlich komplett fix und fertig und in keiner guten Verfassung. Aaron schlief ohnehin schon schlecht, und ich merkte im Vergleich zur ersten Schwangerschaft extrem: Beim ersten Baby kann man sich jederzeit ausruhen und hinlegen. Beim zweiten, mit einem Kleinkind zu Hause, ist das einfach verdammt schwierig. Ich war am Ende meiner Krafte.

In dieser Schwangerschaft, wie in den anderen Schwangerschaften auch, hatte ich mich bewusst fur wenig Untersuchungen entschieden und fur die Betreuung durch die Hebammen im Geburtshaus. Insgesamt war ich nur zwei- bis dreimal bei der Gynakologin, und so wurde ich es immer wieder machen. Die Hebammen nehmen sich wirklich Zeit. Du sitzt in einer Art Wohnzimmer, total gemutlich, sie interessieren sich fur dich, fragen wie es dir geht und geben dir viele gute alternative Tipps. Auch bei Aarons Schwangerschaft war ich zur Vorsorge im Geburtshaus gewesen, deshalb kannte ich die meisten Hebammen bereits.

Eine Hebamme, Lisa-Marie, wurde gerade eingearbeitet. Sie kam aus der Klinik und war praktisch bei all meinen Untersuchungen dabei. Ich hatte mir gewunscht, dass sie auch bei meiner Geburt dabei sein wurde.

Die Nacht & Die Fahrt im Berufsverkehr
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Ich wachte gegen 4:30 Uhr auf und spurte, dass meine Unterhose nass war und ich etwas Fruchtwasser verloren hatte. Ich legte mich nochmal hin, dachte: ausruhen, schlafen. Richtig einschlafen konnte ich nicht mehr, denn die Wellen kamen immer wieder, eine nach der anderen.

Um 5:30 Uhr stand ich auf, ging ins Wohnzimmer und zundete Kerzen an. Die Wellen wurden starker, die Abstande kurzer. Kurz vor 6 Uhr gab ich Mirco Bescheid, dass Lias heute geboren wird, und sagte ihm, ich wurde ihn dann wecken, wenn es Zeit war loszufahren.

Ich rief das Geburtshaus an, die Hebamme am Telefon meinte, ich solle gegen 9 Uhr kommen. Dann rief ich meine Mama an und meine Schwiegermutter, beide machten sich auf den Weg. Ich stellte mich unter die Dusche, konnte kaum noch stehen, stohnte und atmete, aber die Dusche entspannte mich nicht wirklich. Dann weckte ich Mirco.

Als die Wellen alle drei Minuten kamen, schoss mir kurz Panik durch den Kopf. Wie sollten wir das schaffen? Die Hebammen blieben am Telefon total ruhig: “Packt Aaron ein, die Omas sollen ihn einfach direkt bei uns im Geburtshaus abholen!” Also los. Genau in dem Moment, als wir ins Auto sturzten, bog meine Mama in den Hof ein, perfektes Timing.

Die Fahrt war sehr intensiv. Berufsverkehr auf der Friedberger Landstrasse, wir standen voll im Stau. In meinem Kopf war erstaunlicherweise gar nicht viel Raum fur Panik, ich habe nicht viel gedacht, sondern nur noch versucht, irgendwie zu entspannen, loszulassen und zu atmen. Ich war voll in meiner Hypnose. Als Mirco dann einmal wild hupte, merkte ich, wie mich diese Gerausche und alles Aussere extrem stressten. Ich habe ihn direkt angemeckert, weil mich das Hupen total aus meiner Hypnose rausgeholt hat! Ich brauchte einfach absolute Ruhe fur mich. Ich atmete, stohnte und krallte mich mit aller Kraft an den Armaturen und an Mircos Shirt fest, das war danach ubrigens komplett ausgeleiert, lol.

Im Geburtshaus
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Um 8:45 Uhr kamen wir an. Der Raum war vorbereitet, es war warm und angenehm. Lisa-Marie hatte Dienst und begleitete Lias’ Geburt, spater kamen noch zwei Hebammen dazu. Meine Freundin Marie filmte die Geburt. Dieses Mal hatten wir sie bewusst gefragt, ob sie dabei sein kann.

Ich probierte mehrere Positionen aus: kniend, mich ans Seil hangend, schliesslich den Geburtshocker, mit den Seilen und einem Tuch mich festhaltend. Mirco war hinter mir, ich hielt mich bei ihm fest. Ich versuchte mich zu offnen und an meine Affirmationen zu denken, ging mit meiner Aufmerksamkeit ganz zum Druck. Ich spurte, wie er sich veranderte durch die Aufmerksamkeit. Je mehr Widerstand ich gab, desto schmerzhafter wurde es. Wenn ich mehr spurte, ohne mich zu wehren, wurde es leichter.

Um 10:14 Uhr wurde Lias geboren.

Julia mit dem neugeborenen Lias auf ihrer Brust

Er suchte sofort die Brust und dockte an. Das ist ganz Lias. Essen ist bei ihm bis heute sehr wichtig. Ich war total k.o., nach den anstrengenden Wochen und der Grippe war ich korperlich einfach leer, und hatte gleichzeitig riesigen Hunger. Marie besorgte etwas zu essen. Lias lag auf meiner Brust.

Gegen 13 Uhr verliessen wir das Geburtshaus.

Der 1. Marz
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Mein Bruder wurde am 1. Marz 1978 geboren. Er starb 1996 bei einem Autounfall.

Als Lias da war, wusste ich es einfach. Er ist mit ihm verbunden. Es gibt Momente im Leben, wo man nicht viel erklaren kann und auch nicht muss. Das war so ein Moment.


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